Katzengras: Warum Katzen Gras fressen, welche Sorten sicher sind und wie du es selbst ziehst
Ernährung 5 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 4 Quellen
Katzen fressen Gras vermutlich aus einem angeborenen Instinkt, die beliebte Erklärung mit den Haarballen stützen neuere Studien eher nicht. Für Wohnungskatzen ist weiches Getreidegras wie Weizen, Hafer oder Gerste die sicherste Wahl. Harte, scharfkantige Gräser und viele Zimmerpflanzen sind dagegen ungeeignet oder sogar giftig.
Warum fressen Katzen Gras?
Ganz genau weiß die Wissenschaft es bis heute nicht. Lange galt: Gras hilft, verschluckte Haare aus dem Magen zu befördern. Eine große Befragung von Katzenhaltern der Universität Kalifornien in Davis spricht aber dagegen, denn Kurzhaarkatzen fressen dort genauso oft Gras wie Langhaarkatzen.
Auch krank wirken die meisten Katzen vor dem Grasfressen nicht, und nur ein Teil erbricht danach regelmäßig. Die Forschenden vermuten ein uraltes, angeborenes Verhalten, das wilden Vorfahren wohl half, Darmparasiten loszuwerden. Klar ist: Gras ist für Katzen kein Futter, sondern eine Art Hausmittel, das sie sich selbst verschreiben.
Ein paar Zahlen aus den Befragungen mit über 1.000 Katzen machen das greifbarer: Rund 71 Prozent der Katzen wurden mindestens sechsmal beim Pflanzenfressen beobachtet. Nur 6 bis 9 Prozent wirkten vorher krank, und nur etwa ein Viertel bis ein Drittel erbrach danach regelmäßig. Grasfressen ist also in erster Linie ein ganz normales Verhalten und kein Hilferuf des Magens.
Brauchen Wohnungskatzen Katzengras?
Freigänger finden ihr Gras selbst, im Garten, am Wiesenrand oder im Hinterhof. Wohnungskatzen haben diese Möglichkeit nicht, und viele suchen sich dann Ersatz: die Yuccapalme, den Blumenstrauß mit Lilien oder den Weihnachtsstern am Fensterbrett. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann gefährlich werden.
Ein Topf Katzengras ist deshalb für die meisten Wohnungskatzen eine gute Idee. Pflicht ist es nicht. Manche Katzen interessieren sich überhaupt nicht dafür, andere knabbern täglich daran. Biete es an und lass deine Katze entscheiden.
Stell das Gras an einen festen Platz, den deine Katze gut erreicht, etwa aufs Fensterbrett neben ihren Aussichtsplatz. Steht es gleich neben anderen Pflanzen, lernt sie schwerer, was erlaubt ist und was nicht. Wenn sie dennoch an Zimmerpflanzen knabbert, stell diese außer Reichweite und belohne sie, wenn sie stattdessen ans Katzengras geht.
Welche Sorten sind sicher, welche nicht?
Als Katzengras verkauft werden sehr unterschiedliche Pflanzen. Am besten geeignet sind weiche Getreidegräser, die man auch selbst aussäen kann. Sie sind zart, wachsen schnell und haben keine scharfen Kanten.
Vorsicht bei harten Gräsern mit scharfen Blatträndern. Das gilt vor allem für Zypergras, das oft als Katzengras angeboten wird. Seine Blätter sind fest und kantig und können Schleimhäute im Maul oder Rachen verletzen. Manche Katzen vertragen es gut, wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt bei Getreidegras.
- gut geeignet: Weizengras, Hafergras, Gerstengras, Roggengras
- mit Vorsicht: Zypergras und andere harte, scharfkantige Gräser
- ungeeignet: Glücksbambus (eigentlich eine giftige Dracaena), Ziergräser mit spitzen Ähren
- giftig und tabu: Lilien (schon etwas Blütenstaub kann ein Nierenversagen auslösen), Dieffenbachie, Weihnachtsstern, Efeu, Monstera, Aloe vera, Yucca
Katzengras selbst ziehen: so geht's
Selbst gezogenes Katzengras ist günstig und frischer als vieles, was im Geschäft lange im Regal stand. Du brauchst nur Saatgut für Katzengras oder ungebeizte Getreidekörner aus dem Bioladen, einen Topf, Erde ohne Dünger und ein helles Fensterbrett.
Nach drei bis fünf Tagen sprießen die ersten Halme, nach etwa ein bis zwei Wochen ist das Gras lang genug zum Knabbern. Säe am besten alle zwei Wochen einen neuen Topf an, dann hast du immer frisches Gras im Wechsel.
- Körner über Nacht in Wasser einweichen
- dicht auf ungedüngte Erde streuen und leicht andrücken
- feucht halten, aber nicht nass, sonst schimmelt es
- an einen hellen, nicht zu heißen Platz stellen
- ab etwa zehn Zentimetern Höhe der Katze hinstellen
- gelbe oder schimmelige Halme sofort entfernen
Katzengras schimmelt? So bleibt es frisch
Das häufigste Problem beim Katzengras ist nicht die Katze, sondern zu viel Wasser. Staunässe im Topf lässt Körner faulen und Schimmel wachsen, vor allem auf einer warmen Heizungsfensterbank. Ein Topf mit Abzugsloch und lieber öfter wenig gießen als selten viel löst das meistens.
Nicht jeder weiße Flaum ist Schimmel. Feine, weiße Wurzelhärchen an den Keimlingen sind normal und verschwinden oft, wenn du leicht mit Wasser besprühst. Schimmel dagegen ist grau, grünlich oder schwärzlich, überzieht die Körner selbst und riecht muffig. Dann gehört der ganze Topf in den Biomüll.
Ohne Erde geht es auch: in einer Keimschale oder auf feuchter Küchenrolle. Das Gras wächst dort ebenso schnell, hält aber nicht so lange und muss öfter neu angesetzt werden.
- Topf mit Abzugsloch, Untersetzer nach dem Gießen ausleeren
- nicht über einer heißen Heizung aufstellen
- Körner nicht zu dick übereinander säen
- alte, gelbe oder umgeknickte Halme abschneiden
- bei Schimmel nicht nur abkratzen, sondern alles entsorgen
Erbrechen nach Katzengras: normal oder nicht?
Es sieht unappetitlich aus, ist aber meistens harmlos: Die Katze frisst eifrig Gras und würgt kurz danach ein grünes Knäuel heraus, manchmal mit Haaren darin. Viele Katzen tun das gelegentlich und wirken danach so munter wie vorher.
Hellhörig solltest du werden, wenn deine Katze plötzlich sehr viel mehr Gras frisst als sonst, häufig erbricht oder dabei matt wirkt. Dann kann eine Magen-Darm-Erkrankung dahinterstecken, die der Tierarzt abklären sollte. Gleiches gilt, wenn nach dem Grasfressen ein Halm im Rachen stecken bleibt, die Katze ständig würgt oder niest.
Diese Übersicht hilft dir, Grasfressen und mögliche Probleme richtig einzuordnen.
| Situation | Einschätzung | Was du tust |
|---|---|---|
| Knabbert regelmäßig, würgt ab und zu ein grünes Knäuel heraus, sonst munter | beobachten | nichts, nur frisches Gras anbieten |
| Frisst plötzlich viel mehr Gras und erbricht mehrmals pro Woche | bald zum Tierarzt | Termin vereinbaren, Häufigkeit notieren |
| Würgt ständig, niest heftig oder hat einseitigen Nasenausfluss nach dem Grasfressen | bald zum Tierarzt | noch heute anrufen, ein Halm kann feststecken |
| Hat an einer Lilie, am Glücksbambus oder einer anderen giftigen Pflanze geknabbert | sofort zum Tierarzt | Tierarzt oder Tiernotdienst, Pflanze oder Foto mitnehmen |
Katzengras für Kitten und Seniorkatzen: was anders ist
Junge Katzen sind die größten Pflanzenfresser. In der Studie der Universität Kalifornien knabberten über 90 Prozent der Katzen unter einem Jahr jede Woche an Pflanzen, und sie wählten dabei deutlich öfter etwas anderes als Gras. Für dich heißt das: Bevor ein Kitten einzieht, kommen giftige Zimmerpflanzen und Schnittblumen aus der Reichweite, und ein Topf weiches Getreidegras steht schon bereit.
Bei älteren Katzen ist es umgekehrt. Sie fressen seltener Gras, erbrechen danach aber häufiger: Bei Katzen über neun Jahren war es mehr als die Hälfte. Die Forschenden vermuten, dass das Erbrechen bei manchen Katzen eher mit einem gereizten Magen-Darm-Trakt zusammenhängt als mit dem Gras selbst. Erbricht deine Seniorin regelmäßig, lass das abklären, statt es dem Katzengras zuzuschreiben.
Für Freigänger am Land gilt: Gras auf der eigenen Wiese ist meist kein Problem, solange dort nicht gedüngt oder gespritzt wird. Gefährlicher sind lange, harte Grannen von Wildgräsern im Hochsommer, die sich in Nase oder Rachen verhaken können.
Alternativen, wenn die Katze kein Gras mag
Nicht jede Katze ist eine Grasfresserin. Wenn deine Katze das Katzengras links liegen lässt, ist das kein Problem. Gegen Haarballen hilft regelmäßiges Bürsten ohnehin am meisten, vor allem im Fellwechsel. Bei Langhaarkatzen lohnt es sich, darüber mit der Tierarztpraxis zu sprechen, wenn Haarballen häufig vorkommen.
Manche Katzen mögen statt Gras auch Katzenminze oder Baldrian zum Spielen, das hat aber eine andere Wirkung. Wichtig ist vor allem, dass keine giftigen Pflanzen in Reichweite stehen. Wer neue Zimmerpflanzen kauft, prüft am besten vorher, ob sie für Katzen unbedenklich sind.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich Katzengras austauschen?
Etwa alle zwei bis drei Wochen, oder sobald die Halme gelb, welk oder schimmelig werden. Wer zwei Töpfe zeitversetzt anzieht, hat immer frisches Gras zur Verfügung.
Darf meine Katze Gras aus dem Garten fressen?
Grundsätzlich ja, solange der Rasen nicht gedüngt oder mit Unkrautvernichtern behandelt wurde. Bei Wiesen an Straßenrändern oder in fremden Gärten weißt du das nicht, dort ist Vorsicht angebracht.
Ist Katzengras auch für Kitten geeignet?
Ja, weiches Getreidegras ist auch für junge Katzen unbedenklich. Viele Kitten entdecken es spielerisch und knabbern daran. Achte darauf, dass das Gras frisch ist und keine harten, scharfkantigen Sorten im Topf sind.
Meine Katze frisst plötzlich sehr viel Gras, ist das schlimm?
Eine plötzliche Veränderung kann auf Magenprobleme, Würmer oder Unwohlsein hindeuten. Wenn sie dazu häufig erbricht, weniger frisst oder matt wirkt, lass sie in der Tierarztpraxis anschauen.
Warum knabbert meine Katze trotz Katzengras an Zimmerpflanzen?
Vor allem junge Katzen probieren gern alles aus, was grün ist, und Langeweile spielt oft mit. Stell die Zimmerpflanzen außer Reichweite, das Gras an ihren Lieblingsplatz und belohne sie, wenn sie dort knabbert. Prüf bei jeder Pflanze, die sie erreichen kann, ob sie für Katzen ungiftig ist.
Was tun, wenn die Katze das Katzengras ausgräbt?
Nimm einen schweren, breiten Topf und leg ein paar größere Kieselsteine auf die Erde rund um die Halme. Stell das Gras erst hin, wenn es gut eingewurzelt und etwa zehn Zentimeter hoch ist. Manche Katzen graben auch, weil der Topf an ein Katzenklo erinnert: Dann hilft ein anderer Platz.
Quellen
- Characteristics of Plant Eating in Domestic Cats (Hart et al., Animals 2021), University of California, Davis (via PubMed Central)
- Toxic and Non-Toxic Plant List: Cats, ASPCA Animal Poison Control Center
- Cats and poisons, International Cat Care (iCatCare)
- Grooming your cat, International Cat Care (iCatCare)
Stand der Prüfung: November 2026