Colourpoint: Warum Siam, Birma und Co. dunkle Ohren, Pfoten und Schwanz haben
Katzenrassen 4 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 6 Quellen
Colourpoint ist eine Fellzeichnung, bei der Gesicht, Ohren, Pfoten und Schwanz dunkler sind als der helle Körper. Dahinter steckt ein temperaturempfindliches Gen: Farbe entsteht nur an den kühleren Körperstellen. Typisch ist das bei Siamkatze, Heiliger Birma, Ragdoll und Balinese. Als Rasse bezeichnet „Colourpoint“ außerdem die Colourpoint-Perser, eine Perserkatze mit Siam-Zeichnung.
Genetik: die Körpertemperatur malt das Fell
Beim Colourpoint-Gen ist ein Enzym, das für die Bildung von Farbpigment nötig ist, hitzeempfindlich. Bei normaler Körpertemperatur funktioniert es kaum, an kühleren Stellen dagegen gut. Deshalb färben sich die Körperenden, die am weitesten vom warmen Rumpf entfernt sind: Nase, Ohren, Pfoten und Schwanz.
Das Gen wird rezessiv vererbt. Eine Katze zeigt die Points nur, wenn sie die Anlage von beiden Eltern bekommt. Deshalb können zwei normal gefärbte Hauskatzen, die beide die Anlage tragen, auch einmal ein Kitten mit Siam-Zeichnung bekommen.
Für Neugierige gibt es einen Gentest: Ein Wangenabstrich mit Wattestäbchen genügt, und das Labor bestimmt, welche Varianten des Colour-Gens eine Katze trägt. Für Züchter ist das praktisch, weil sich Trägertiere äußerlich nicht von voll gefärbten Katzen unterscheiden.
Siam, Burma, Mink: drei Stufen desselben Gens
Am Colour-Gen gibt es nicht nur die Siam-Variante. Eine zweite, die Burma-Variante, reagiert weniger stark auf Wärme: Der Körper wird dunkler, die Points heben sich nur sanft ab. So entsteht die Sepia-Färbung der Burma Katze. Trägt eine Katze je eine Siam- und eine Burma-Variante, zeigt sie eine Zwischenstufe, die Mink heißt.
Die Burma-Variante ist gegenüber der Siam-Variante unvollständig dominant, gegenüber der normalen Vollfarbe sind beide rezessiv. Sind beide Eltern voll gefärbte Träger derselben Variante, ist im Schnitt etwa jedes vierte Kitten ein Colourpoint. Daraus ergibt sich die Übersicht unten.
| Anlagen (Genotyp) | So sieht die Katze aus | Was sie weitergibt |
|---|---|---|
| C/C | voll gefärbt, keine Points | keine Colourpoint-Anlage |
| C/cs oder C/cb | voll gefärbt, äußerlich unauffällig | die Anlage an etwa die Hälfte der Kitten |
| cs/cs | Siam-Points: Farbe nur an Gesicht, Ohren, Pfoten und Schwanz | an alle Kitten die Siam-Variante |
| cb/cb | Burma-Sepia: Körper dunkler, Points nur wenig dunkler | an alle Kitten die Burma-Variante |
| cb/cs | Mink: Zwischenstufe zwischen Siam und Burma | je zur Hälfte Siam- oder Burma-Variante |
Weiß geboren, mit dem Alter dunkler
Colourpoint-Kitten kommen fast weiß zur Welt, weil es im Mutterleib überall gleich warm ist. Die Points erscheinen erst nach einigen Tagen bis Wochen und werden im ersten Jahr kräftiger. Auch später verändert sich das Fell: In kühlen Wohnungen und im Winter dunkelt der Körper oft nach, ältere Katzen werden insgesamt dunkler.
Ein schönes Detail: Wird an einer Stelle Fell geschoren, etwa für eine Operation, wächst es dort manchmal dunkler nach, weil die Haut ohne Fell kühler ist. Mit der nächsten Haarrunde wird es meist wieder hell.
Aussehen: Point-Farben und blaue Augen
Colourpoint-Katzen haben immer blaue Augen, denn dasselbe Gen beeinflusst auch die Pigmentierung der Iris. Die Points gibt es in vielen Farben, die Namen stammen aus der Siamzucht.
- Seal Point: dunkelbraune Points, cremefarbener Körper
- Blue Point: graublaue Points, weißlicher Körper
- Chocolate Point: milchschokoladenbraune Points
- Lilac Point: zart rosagraue Points
- Red und Cream Point: rote oder cremefarbene Points
- Tabby Point und Tortie Point: gestreifte oder schildpattfarbene Points
Rassen mit Colourpoint-Zeichnung
Die Zeichnung ist seit Langem aus dem früheren Siam bekannt, dem heutigen Thailand: Siamkatzen sind schon in alten Katzengedichten aus der Ayutthaya-Zeit beschrieben. Heute ist sie Teil vieler Rassen, mit sehr unterschiedlichem Charakter. Die Colourpoint-Perser, im englischen Sprachraum Himalayan genannt, entstand im 20. Jahrhundert aus Kreuzungen von Siam- und Perserkatzen und wird heute meist als Farbvariante der Perserkatze geführt.
Bei manchen Rassen ist Colourpoint nur eines von mehreren Mustern. Alle Ragdolls tragen laut CFA das Colourpoint-Gen, doch nur eines ihrer vier Muster ist reines Colourpoint: Bei Mitted, Bicolour und Van liegen weiße Abzeichen über den Points, beim Bicolour etwa ein weißes umgedrehtes V im Gesicht. Wer gezielt die klassische Zeichnung ohne Weiß möchte, sollte beim Züchter also genau nach dem Muster fragen.
- Siamkatze: schlank, sehr gesprächig, aktiv und anhänglich
- Balinese: halblanghaarige Schwester der Siam
- Heilige Birma: Halblanghaar mit weißen Handschuhen an allen vier Pfoten
- Ragdoll: groß, sanft, oft entspannt beim Hochheben
- Colourpoint-Perser: Langhaar, ruhig und gemütlich
- Neva Masquerade: die Colourpoint-Variante der Sibirischen Katze
- Thai: der ursprüngliche, kräftigere Typ der Siamkatze
Charakter: es kommt auf die Rasse an
Die Zeichnung allein bestimmt nicht den Charakter. Eine Siamkatze ist ein lautes, forderndes Energiebündel, eine Colourpoint-Perser dagegen eine ruhige Sofakatze. Ragdoll und Heilige Birma liegen dazwischen: sanft, verschmust und menschenbezogen.
Allen gemeinsam ist oft eine starke Bindung an ihre Menschen. Viele Colourpoint-Rassen mögen es nicht, lange allein zu sein, und fühlen sich zu zweit wohler.
Haltung, Pflege und Gesundheit
Die Pflege hängt vom Fell ab: Siam und Thai sind pflegeleicht, Birma und Ragdoll brauchen wöchentliches Bürsten, die Colourpoint-Perser tägliches Kämmen, sonst verfilzt ihr langes Fell. Bei der Perser kommt die tägliche Reinigung der Augenwinkel dazu.
Die Zeichnung selbst ist gesund. Das Gen beeinflusst aber die Entwicklung der Sehbahnen, deshalb schielen manche Colourpoint-Katzen leicht, manche haben ein Augenzittern (Nystagmus) oder ein schlechteres räumliches Sehen, was sie im Alltag meist gut ausgleichen. Wichtiger sind die rassetypischen Krankheiten: bei Perser die Zystenniere PKD sowie Atem- und Augenprobleme durch kurze Nasen, bei Ragdoll die Herzmuskelverdickung HCM, bei Siam unter anderem eine erbliche Netzhauterkrankung (PRA) und die Amyloidose.
Sehr kurze Nasen gelten als Qualzuchtmerkmal, die Details stehen im Artikel über Qualzucht-Katzenrassen. Für dich als Käuferin oder Käufer heißt das: Frag bei jeder Colourpoint-Rasse nach den Gesundheitstests, die für genau diese Rasse üblich sind, und lass dir die Befunde beider Elterntiere zeigen. Die Zeichnung sagt über die Gesundheit nichts aus, die Rasse dahinter sehr viel.
Für wen ist eine Colourpoint-Katze geeignet?
Wer die Zeichnung liebt, sollte zuerst die passende Rasse wählen: Siam für aktive, gesprächige Haushalte, Ragdoll oder Birma für Familien, die eine sanfte Kuschelkatze suchen, Colourpoint-Perser für ruhige Menschen mit Zeit für Fellpflege. Bei Persern auf eine nicht extrem kurze Nase achten.
Übrigens tauchen Colourpoint-Hauskatzen auch im Tierheim auf, oft als Siam-Mix. Wer einfach die blauen Augen und dunklen Ohren mag, wird dort manchmal fündig.
Häufige Fragen
Ist Colourpoint eine Rasse?
Colourpoint ist in erster Linie eine Fellzeichnung, die bei vielen Rassen vorkommt. Als Rassename steht Colourpoint meist für die Colourpoint-Perser, also eine Perserkatze mit Siam-Zeichnung. Im englischen Sprachraum heißt sie Himalayan.
Warum haben Colourpoint-Katzen blaue Augen?
Dasselbe Gen, das die Farbbildung im Fell temperaturabhängig macht, verringert auch das Pigment in der Iris. Deshalb haben alle Colourpoint-Katzen blaue Augen, von hellem Himmelblau bis zu tiefem Saphir.
Werden Colourpoint-Katzen mit dem Alter dunkler?
Ja, meistens. Mit den Jahren und in kühler Umgebung dunkelt das Körperfell nach. Das ist normal und kein Zeichen einer Krankheit.
Können Hauskatzen Colourpoint sein?
Ja, wenn beide Eltern die rezessive Anlage tragen. Solche Katzen sehen oft aus wie Siam-Mixe. Ohne Stammbaum sind sie Hauskatzen, aber mit genauso schönen blauen Augen.
Was ist eine Himalaya Katze?
Himalaya oder Himalayan ist vor allem im englischen Sprachraum der Name für die Colourpoint-Perser, also Perserkatzen mit Siam-Abzeichen und blauen Augen. Die WCF führt sie in ihrer Codeliste als Persian / Colourpoint Himalayan, also als Farbvariante der Perser und nicht als eigene Rasse. Außerdem heißt das Abzeichenmuster selbst oft Himalaya-Muster: Die FIFe setzt in ihrem Glossar Himalayan pointed mit Siamese pointed gleich.
Kann man testen, ob eine Katze das Colourpoint-Gen trägt?
Ja. Labore wie das Veterinary Genetics Laboratory der UC Davis bestimmen aus einem Wangenabstrich, ob eine Katze die Siam- oder Burma-Variante trägt. Das ist sinnvoll, wenn du wissen willst, ob zwei voll gefärbte Katzen Colourpoint-Kitten bekommen können.
Quellen
- Oculocutaneous albinism type I (TYR-related, Colourpoint) in Felis catus, OMIA, Sydney School of Veterinary Science (University of Sydney)
- Siamese (Rasseporträt), The Cat Fanciers' Association (CFA)
- Ragdoll (Rasseporträt), The Cat Fanciers' Association (CFA)
- Colorpoint Restriction (Gentest, Erbgang und Genotypen), Veterinary Genetics Laboratory, UC Davis
- WCF EMS Code: Rassen und Anerkennung durch die Verbände, World Cat Federation (WCF)
- FIFe General Part to the Standards (Glossar: Himalayan pointed), Fédération Internationale Féline (FIFe)
Stand der Prüfung: November 2026