Perserkatze: Charakter, Pflege, Gesundheit und das Problem mit der kurzen Nase
Katzenrassen 5 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 6 Quellen
Die Perserkatze ist eine ruhige, sanfte Langhaarkatze, die sich in der Wohnung wohlfühlt und ihr Fell täglich gebürstet braucht. Ehrlich gesagt hat sie aber zwei große Gesundheitsthemen: die erbliche Nierenerkrankung PKD und die bei vielen Tieren stark verkürzte Nase, die Atmung, Augen und Zähne belastet.
Herkunft: vom Orient in die Salons Europas
Langhaarige Katzen kamen im 17. Jahrhundert aus Persien und der Türkei nach Europa. Der italienische Reisende Pietro della Valle brachte 1626 eine Langhaarkatze aus Persien mit. Laut CFA kreuzten Züchter diese Katzen später mit Türkisch Angora, um eine kräftigere, kurznasigere Katze mit dichtem, seidigem Fell zu erhalten. Ende der 1880er-Jahre kamen die ersten Perser in die USA, 1906 gehörte die Rasse zu den ersten Rassen, die der neu gegründete US-Verband CFA anerkannte. Sie zählt zu den ältesten und bekanntesten Rassekatzen überhaupt.
Ursprünglich hatten Perser ein deutlich längeres Gesicht als heute. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurden manche Linien auf ein immer flacheres Gesicht hin gezüchtet, bis hin zu sogenannten Ultra- oder Peke-face-Persern. Genau das macht der Rasse heute Probleme.
Perserkatze Steckbrief: die wichtigsten Fakten
Die Eckdaten auf einen Blick. Gewicht und Alter stammen aus einer älteren großen britischen Erhebung mit über 3.000 Persern aus Tierarztpraxen (O'Neill et al. 2019), es sind Mittelwerte, einzelne Katzen liegen darüber oder darunter.
| Merkmal | Perserkatze |
|---|---|
| Herkunft | Persien und Orient, in Europa seit dem 17. Jahrhundert, Gründungsrasse der CFA (1906) |
| Größe | mittel bis groß, gedrungen (cobby), breite Brust, kurze Beine |
| Gewicht | im Mittel ca. 4,3 kg bei Katern und ca. 3,4 kg bei Kätzinnen |
| Fell | lang, dicht, fein, abstehend, mit voller Halskrause, viele Farben inkl. Colourpoint (Himalaya) |
| Lebensdauer | mittleres Sterbealter in der älteren britischen Erhebung (2019) 13,5 Jahre |
| Charakter | sanft, ruhig, anhänglich, zeitweise verspielt |
| Pflegeaufwand | sehr hoch: täglich kämmen, Augen reinigen |
| Typische Gesundheitsthemen | Kurznase (Brachyzephalie), PKD, Augen, Zähne, Fell |
Aussehen: viel Fell und runde Formen
Perser sind mittelgroß, kompakt und stämmig, mit kurzen Beinen, breiter Brust und rundem Kopf mit kleinen Ohren. Das Fell ist lang, dicht und mit viel Unterwolle, dazu kommt eine üppige Halskrause. Die CFA teilt die Farben in sieben Gruppen ein, von einfarbig über Tabby, Silber und Golden bis zu Schildpatt, zweifarbig und Himalaya. Himalaya-Perser haben ein helles Fell mit dunklen Abzeichen an Gesicht, Ohren, Beinen und Schwanz und tiefblaue Augen.
Beim Gesicht unterscheidet man grob zwei Typen: den extremen Typ mit sehr flachem Gesicht und Nase auf Augenhöhe und den traditionellen Typ, auch Doll Face genannt, mit erkennbarer Nase. Für die Gesundheit ist das ein großer Unterschied.
Charakter: die ruhige Sofa-Chefin
Perserkatzen sind gelassen, freundlich und eher wenig verspielt. Sie lieben feste Abläufe, ruhige Wohnungen und einen weichen Platz in deiner Nähe. Laute, hektische Haushalte mögen sie weniger. Trotzdem brauchen auch sie täglich etwas Bewegung und Spiel, sonst setzen sie schnell an.
Sie kommen meist gut mit anderen ruhigen Katzen zurecht und sind selten aufdringlich. Wenn du eine Katze suchst, die dich anspringt und um 5 Uhr früh Fangen spielen will, ist der Perser eher nicht deine Wahl.
Haltung und Pflege: täglich bürsten ist Pflicht
Das Fell eines Persers verfilzt ohne Hilfe innerhalb weniger Tage, vor allem an Bauch, Achseln und hinter den Ohren. Plane daher jeden Tag 10 bis 15 Minuten zum Kämmen ein. Die CFA empfiehlt einen Kamm aus Stahl mit weiten und engen Zinken und rät, Kitten früh an die Pflege zu gewöhnen. Verfilzungen sind nicht nur unschön, sie ziepen, reißen an der Haut und können entzündete Stellen verursachen. Ist es schon passiert, hilft oft nur noch eine Schur in der Tierarztpraxis oder beim Katzenfriseur.
Dazu kommt die Hygiene: Bei vielen Persern laufen die Augen, und Reste bleiben im Fell hängen. Wische die Augenwinkel täglich mit einem feuchten, weichen Tuch aus. Auch am Hinterteil bleibt gern Kot im Fell, hier hilft vorsichtiges Kürzen. Gebadet wird nur gelegentlich und immer erst nach gründlichem Durchkämmen, sonst verfilzt das nasse Fell erst recht. Kontrolliere außerdem regelmäßig die Krallen: Zu lange Krallen gehörten in der britischen Studie zu den häufigsten Befunden.
- täglich kämmen, am besten mit einem Metallkamm mit weiten und engen Zinken
- Augen täglich reinigen, bei Rötung oder eitrigem Ausfluss zum Tierarzt
- Krallen regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf kürzen
- flacher, breiter Napf erleichtert kurznasigen Katzen das Fressen
- Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon passt gut, Hitze im Sommer meiden
Gesundheit: PKD und die Folgen der Kurznase
Die polyzystische Nierenerkrankung (PKD) ist beim Perser die bekannteste Erbkrankheit. Dabei bilden sich Zysten in den Nieren, die über Jahre zum Nierenversagen führen. Die Krankheit wird dominant vererbt, schon ein betroffener Elternteil reicht. Seit 2005 gibt es einen zuverlässigen Gentest (PKD1) per Maulschleimhautabstrich oder Blutprobe. Seit Züchter konsequent testen, ist PKD in getesteten Linien deutlich seltener geworden. Trotzdem waren Nierenerkrankungen in der britischen Studie die häufigste Todesursache bei Persern (23,4 %). Seriöse Züchter verpaaren nur getestete, PKD-freie Tiere und zeigen dir die Befunde.
Das zweite große Thema ist die Brachyzephalie, also der verkürzte Schädel. Bei stark flachen Gesichtern sind die Nasenlöcher oft verengt, die Tränenkanäle abgeknickt und die Zähne zu eng gestellt. Die Folgen: Schnaufen, Schnarchen und Atmen mit offenem Maul, überlaufende Tränen mit entzündeter Gesichtshaut, vorstehende Augen mit erhöhtem Risiko für Hornhautschäden sowie schief stehende Zähne und Zahnfleischerkrankungen. In der britischen Praxisstudie waren Fellprobleme (12,7 %), Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen (11,3 %), zu lange Krallen (7,2 %) und Augenausfluss (5,8 %) die häufigsten Diagnosen.
Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) nennt für den Perser außerdem unter anderem nach innen gerollte Lidränder (Entropium), das Hornhautsequester, eine erbliche Netzhautdegeneration (pd-PRA), die meist schon um die 16. Lebenswoche zur Erblindung führt, sowie Herzmuskelverdickung (HCM).
- Gentest PKD1 bei beiden Elterntieren verlangen
- offene, gut sichtbare Nasenlöcher und ein erkennbarer Nasenrücken
- Atemgeräusche in Ruhe oder Atmen mit offenem Maul sind ein Warnsignal
- ab dem mittleren Alter regelmäßig Blut und Nieren checken lassen
Qualzucht und Kauf: was in Österreich gilt
Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet Qualzucht (§ 5 Abs. 2 Z 1 TSchG). Ausdrücklich genannt sind dort unter anderem Atemnot, vorstehende Augen (Exophthalmus), Augenentzündungen, Fehlbildungen von Gebiss und Kiefer sowie Missbildungen der Schädeldecke, also genau die Probleme stark kurznasiger Perser. Tiere mit Qualzuchtsymptomen oder äußerlich erkennbaren Qualzuchtmerkmalen dürfen außerdem nicht importiert, erworben, vermittelt oder weitergegeben (§ 8 Abs. 2) und nicht ausgestellt werden (§ 8b). Die Qualzucht-Datenbank QUEN stuft extrem kurznasige Perser als Qualzucht ein, in Deutschland gilt § 11b TierSchG. Ob ein konkretes Tier betroffen ist, beurteilen Tierärzte und Behörden im Einzelfall (Stand 2026).
Für dich heißt das praktisch: Wähle bewusst einen Perser mit moderatem, traditionellem Gesicht und frage den Züchter, wie er die Atmung und die Augen seiner Tiere beurteilt. Eine schöne Alternative ist ein erwachsener Perser aus dem Tierheim oder von einer Rasse-Nothilfe. Darauf achtest du beim Besuch:
- PKD-Gentest beider Eltern als schriftlicher Befund, idealerweise mit Chipnummer
- Kitten und Eltern atmen in Ruhe lautlos durch die Nase
- Augen klar und trocken, keine dunklen Tränenstraßen
- Nase deutlich sichtbar, nicht auf Höhe der Augen
- Mutterkatze ansehen, Impfpass, Chip und Registrierung
Für wen ist die Perserkatze geeignet?
Der Perser passt zu ruhigen Menschen, die gern zu Hause sind, eine verschmuste, gelassene Wohnungskatze suchen und das tägliche Kämmen als gemeinsames Ritual sehen. Auch Senioren mit Zeit und ruhiger Hand haben oft viel Freude an ihm.
Nicht geeignet ist er, wenn du wenig Zeit für Pflege hast, eine aktive Spielkatze suchst oder Katzenhaare überall für dich ein Problem sind. Rechne außerdem mit möglichen Tierarztkosten für Augen, Zähne und Nieren.
Häufige Fragen
Wie oft muss man eine Perserkatze bürsten?
Täglich. Schon nach zwei bis drei Tagen ohne Kämmen bilden sich bei den meisten Persern Knoten. Kurze, tägliche Einheiten sind für die Katze angenehmer als ein langes Entfilzen am Wochenende.
Warum tränen Perserkatzen die Augen?
Bei flachen Gesichtern sind die Tränenkanäle oft verengt oder abgeknickt, die Tränenflüssigkeit läuft deshalb über das Gesicht ab. Tägliches Reinigen hilft gegen Verfärbungen und Entzündungen. Wird der Ausfluss gelb, grün oder ist das Auge gerötet, lass es abklären.
Wie alt wird eine Perserkatze?
In einer älteren großen britischen Erhebung (2019) lag das mittlere Sterbealter von Persern bei 13,5 Jahren, viele werden älter. PKD-freie Eltern, ein moderates Gesicht und regelmäßige Vorsorge erhöhen die Chance auf ein langes Leben.
Darf man Perserkatzen scheren?
Ja, eine Schur kann bei starken Verfilzungen oder älteren Katzen sinnvoll sein und erleichtert die Pflege. Sie sollte aber von Profis gemacht werden, weil die Haut sehr dünn ist. Danach braucht die Katze Wärme, denn ohne Fell friert sie schneller.
Sind Perserkatzen für Allergiker geeignet?
Nein. Es gibt keine Hinweise, dass Perser weniger Allergene bilden als andere Katzen. Das Hauptallergen stammt aus Speichel und Haut, und das lange Fell verteilt Haare und Hautschuppen eher stärker in der Wohnung.
Können Perserkatzen Freigänger sein?
Eher nicht. Im langen Fell verfangen sich Laub, Kletten und Schmutz, es verfilzt schneller, und kurznasige Perser vertragen Hitze schlecht. Eine Wohnung mit gesichertem Balkon und Schattenplatz ist für die meisten die bessere Lösung.
Quellen
- Persian: Breed Overview, Cat Fanciers' Association (CFA)
- Merkblatt Katze Rasse Perser, Qualzucht-Evidenz Netzwerk (QUEN)
- Brachycephaly in Persians, Science for Animal Welfare (UFAW)
- Persian cats under first opinion veterinary care in the UK: demography, mortality and disorders, Scientific Reports (O'Neill et al. 2019)
- Polycystic Kidney Disease (PKD), Langford Vets, University of Bristol
- Tierschutzgesetz (TSchG), geltende Fassung (§ 5 Qualzucht, § 8 Abs. 2 Import und Weitergabe, § 8b Ausstellungsverbot), Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
Stand der Prüfung: November 2026