Katzenschnupfen: Symptome, Ansteckung, Behandlung und Impfung
Gesundheit 7 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 3 Quellen
Katzenschnupfen ist eine ansteckende Infektionskrankheit der Atemwege und Augen, ausgelöst meist durch Herpes- und Caliciviren, oft zusammen mit Bakterien. Für Kitten, ältere und ungeimpfte Katzen kann er gefährlich werden. Eine Katze mit Verdacht auf Katzenschnupfen gehört zum Tierarzt, und die Impfung ist der beste Schutz, auch für reine Wohnungskatzen.
Was ist Katzenschnupfen?
Der Name klingt harmlos, doch Katzenschnupfen ist kein gewöhnlicher Schnupfen. Tierärzte sprechen vom Katzenschnupfen-Komplex, weil mehrere Erreger beteiligt sein können, die sich oft gegenseitig verstärken. Je nach Erreger stehen unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund.
Das Herpesvirus hat eine besondere Eigenschaft: Es bleibt nach der Infektion lebenslang im Körper und kann bei Stress wieder aufflammen. Viele Katzen, die immer wieder schniefen oder entzündete Augen haben, tragen dieses Virus in sich.
Chlamydien sind Bakterien, die außerhalb des Körpers kaum überleben. Sie werden deshalb vor allem bei engem Kontakt über Augensekret übertragen und betreffen meistens junge Katzen unter einem Jahr, oft in Mehrkatzenhaushalten und Zuchten. Nicht jedes Niesen ist übrigens gleich Katzenschnupfen: Was hinter gelegentlichem Niesen steckt, erklärt der Ratgeber Katze niest.
- Felines Herpesvirus (FHV-1): Niesen, Nasenausfluss, Augenentzündungen, Hornhautgeschwüre
- Felines Calicivirus (FCV): Geschwüre im Maul und auf der Zunge, Sabbern, manchmal Gelenkschmerzen
- Chlamydien: vor allem hartnäckige Bindehautentzündungen
- Bakterien wie Bordetellen und Mykoplasmen, oft als Folgeinfektion
Symptome: So erkennst du Katzenschnupfen
Die Krankheit beginnt meist mit Niesen, Fieber und Müdigkeit. Innerhalb weniger Tage kommen Ausfluss aus Nase und Augen dazu, der anfangs klar ist und später oft eitrig wird. Viele Katzen fressen schlecht, weil sie nichts riechen oder weil das Maul schmerzt.
Bei Kitten verläuft Katzenschnupfen oft schwer. Ohne Behandlung drohen Austrocknung, Lungenentzündung und dauerhafte Schäden an den Augen. Bei ihnen solltest du schon beim ersten Verdacht in die Praxis.
Zwei Besonderheiten beim Calicivirus solltest du kennen. Manche Katzen humpeln plötzlich auf wechselnden Beinen und haben Fieber. Das vergeht meist innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst, gehört aber trotzdem in die Praxis gemeldet. Sehr selten tritt eine besonders aggressive Form auf, die den ganzen Körper befällt und oft tödlich endet. Schwellungen an Kopf oder Beinen, Krusten und Geschwüre an Haut und Pfoten oder Atemnot sind dann ein Notfall.
Viele Beschwerden überschneiden sich mit anderen Erkrankungen. Ein einzelnes tränendes Auge kann zum Beispiel auch eine Bindehautentzündung bei Katzen ohne Schnupfen sein. Die genaue Ursache findet die Praxis heraus, oft mit einem Abstrich aus Maul oder Auge.
- häufiges Niesen und Schniefen
- Nasenausfluss, oft gelblich oder grünlich
- tränende, gerötete oder verklebte Augen, zusammengekniffene Lider
- Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit
- Sabbern und Geschwüre im Maul
- Atmen mit offenem Maul bei verstopfter Nase
| Erreger | Typische Zeichen | Besonderheit |
|---|---|---|
| Herpesvirus (FHV-1) | Speicheln, Niesen, Fieber, entzündete Augen, Hornhautgeschwüre | bleibt lebenslang im Körper, kann bei Stress wieder aufflammen |
| Calicivirus (FCV) | Geschwüre im Maul und auf der Zunge, Niesen, wässriger Nasenausfluss, Fieber | manchmal kurzes, wanderndes Humpeln; selten eine schwere, lebensgefährliche Form |
| Chlamydien | Bindehautentzündung, erst an einem Auge, nach ein bis zwei Tagen an beiden; geschwollene Bindehaut | meist bei Katzen unter einem Jahr, gut mit Antibiotika behandelbar |
Wie lange dauert Katzenschnupfen? Inkubationszeit und Verlauf
Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden vergehen meist nur wenige Tage. Beim Herpesvirus sind es meistens zwei bis sechs Tage, beim Calicivirus zwei bis zehn Tage, bei Chlamydien zwei bis fünf Tage. Eine neue Katze kann also gesund wirken, wenn sie einzieht, und trotzdem schon angesteckt sein.
Die akute Erkrankung durch das Herpesvirus klingt mit guter Pflege meist nach etwa 10 bis 14 Tagen ab, Augenprobleme können länger dauern. Bei Chlamydien bessern sich die Beschwerden mit dem passenden Antibiotikum oft schon innerhalb von 48 Stunden. Trotzdem muss die Behandlung meist über mehrere Wochen weiterlaufen.
Wichtig für Mehrkatzenhaushalte: Ansteckend sind Katzen oft deutlich länger, als sie krank aussehen. Die Tabelle zeigt, womit du ungefähr rechnen musst.
| Erreger | Inkubationszeit | Wie lange ansteckend |
|---|---|---|
| Herpesvirus (FHV-1) | meist 2 bis 6 Tage | Ausscheidung ab etwa 24 Stunden für 1 bis 3 Wochen, danach erneut bei Rückfällen |
| Calicivirus (FCV) | 2 bis 10 Tage | viele Katzen noch mindestens 30 Tage nach der Genesung, einige jahrelang |
| Chlamydien | 2 bis 5 Tage | über das Augensekret meist etwa 60 Tage, manche Katzen länger |
Wie steckt sich eine Katze an?
Die Erreger werden über Niesen, Nasen- und Augensekret sowie Speichel übertragen. Besonders leicht stecken sich Katzen dort an, wo viele Tiere zusammenkommen, etwa im Tierheim, in der Tierpension, bei Züchtern oder auf Ausstellungen. Vor einem Aufenthalt in der Tierpension oder vor dem Einzug einer neuen Katze lohnt sich deshalb ein Blick in den Impfpass.
Auch Wohnungskatzen können erkranken. Caliciviren bleiben auf trockenen Oberflächen bei Zimmertemperatur bis zu etwa einem Monat ansteckend und werden auch über Hände, Kleidung und Gegenstände verschleppt. Wer eine fremde Katze gestreichelt hat, kann den Erreger mit nach Hause bringen.
Beim Putzen gibt es einen wichtigen Unterschied: Das Herpesvirus wird von den meisten gängigen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln zerstört. Das Calicivirus ist hartnäckiger und braucht spezielle Mittel, etwa auf Basis von Natriumhypochlorit (Chlorbleiche). Frag in der Praxis, welches Produkt für Näpfe, Böden und Transportbox geeignet ist.
Für Menschen ist Katzenschnupfen praktisch ungefährlich: Das Calicivirus der Katze steckt Menschen nicht an, und Ansteckungen mit Katzen-Chlamydien sind beim Menschen nur in seltenen Einzelfällen beschrieben.
Katzenschnupfen bei Kitten und im Mehrkatzenhaushalt
Am schwersten trifft Katzenschnupfen junge Kätzchen. Sie können sich schon bei der Mutter anstecken, bevor ihr Impfschutz aufgebaut ist, und in Zuchten erkrankt dann oft der ganze Wurf. Ein verschnupftes Kitten frisst schnell nicht mehr, weil es nichts riecht, und trocknet aus. Deshalb gehört es schon beim ersten Verdacht in die Praxis.
Leben mehrere Katzen zusammen, gilt: lieber früh trennen als später alle behandeln. Bei schweren Chlamydien-Infektionen kann es nötig sein, alle Katzen des Haushalts gleichzeitig zu behandeln. Neue Katzen ziehen am besten erst nach einem Gesundheitscheck und mit gültigem Impfpass ein.
Bis die Impfungen abgeschlossen sind und der Schutz aufgebaut ist, sollten die Kleinen möglichst keinen Kontakt zu fremden Katzen haben.
Kaufst du ein Kitten, frag nach, ob es in der Zucht oder im Tierheim Schnupfenfälle gab, und schau dir die Augen und die Nase der Kleinen genau an. Verklebte Augen oder Niesen bei mehreren Geschwistern sind ein Warnzeichen.
Behandlung beim Tierarzt
Gegen die Viren selbst gibt es nur begrenzt direkte Mittel, die Behandlung richtet sich deshalb nach den Beschwerden. Bakterielle Folgeinfektionen werden mit Antibiotika behandelt, entzündete Augen mit passenden Augentropfen oder Salben. Bei Herpes-Augenentzündungen kommen manchmal spezielle antivirale Augentropfen zum Einsatz.
Frisst oder trinkt eine Katze nicht mehr, bekommt sie Infusionen und wird gegebenenfalls über eine Sonde ernährt. Schmerzmittel helfen bei Maulgeschwüren. Welche Medikamente passen, entscheidet die Praxis, gib nie etwas aus der eigenen Hausapotheke.
Bei Chlamydien sind Antibiotika als Tabletten oder Saft wirksamer als nur Augentropfen. Die Behandlung dauert oft rund vier Wochen und läuft idealerweise noch zwei Wochen weiter, nachdem die Beschwerden verschwunden sind. Brich sie deshalb nicht ab, nur weil die Augen wieder klar aussehen.
Häufig gefragt wird nach L-Lysin. Die europäischen Katzenexperten (ABCD) sehen dafür keinen Wirksamkeitsnachweis und empfehlen es nicht, um Herpes-Rückfälle zu verhindern. Gib Nahrungsergänzungsmittel deshalb nur nach Rücksprache mit deiner Praxis.
Das kannst du zu Hause tun
Neben der tierärztlichen Behandlung ist gute Pflege entscheidend. Halte Nase und Augen sauber, damit deine Katze atmen und sehen kann. Tupfe Ausfluss mehrmals am Tag mit weichen Tüchern und physiologischer Kochsalzlösung oder lauwarmem Wasser ab, für jedes Auge ein eigenes Tuch.
Damit sie weiter frisst, wärme stark duftendes Nassfutter leicht an. Bei Maulgeschwüren nimmt sie weiches Futter oder Pastete leichter an als Stückchen. Warmer Dampf im Badezimmer löst festsitzenden Schleim, ohne Zusätze wie ätherische Öle.
Inhalieren hilft vielen Schnupfenkatzen. Tierärzte setzen dafür Vernebler mit Kochsalzlösung ein. Frag in deiner Praxis, ob und wie du das zu Hause machen kannst und welches Gerät sich eignet.
Behalte außerdem im Blick, ob sie frisst und trinkt. Notiere dir am besten jeden Tag kurz, wie viel sie gefressen hat und wie die Augen aussehen. Frisst sie trotz angewärmtem Futter einen Tag lang nichts, wird es Zeit für die Praxis, denn ohne Futter erholt sie sich deutlich schlechter.
- erkrankte Katze von anderen Katzen trennen
- eigene Näpfe, Decken und Klo für die kranke Katze
- Hände nach jedem Kontakt waschen
- Medikamente genau nach Plan geben, auch wenn es ihr schon besser geht
- Kontrolltermine einhalten, damit die Augen keinen Schaden nehmen
Impfung gegen Katzenschnupfen
Die Impfung gegen Katzenschnupfen gehört zusammen mit der Impfung gegen Katzenseuche zu den Grundimpfungen, die jede Katze haben sollte. Kitten bekommen die erste Impfung meist mit etwa acht bis neun Wochen, die zweite zwei bis vier Wochen später, frühestens mit zwölf Wochen. Die erste Auffrischung folgt im Alter von etwa einem Jahr (10 bis 16 Monate). Wie oft danach aufgefrischt wird, richtet sich nach dem Risiko: Bei Katzen mit geringem Risiko reicht nach den Empfehlungen der europäischen Katzenexperten (ABCD) oft eine Auffrischung alle drei Jahre, bei hohem Risiko, etwa in Mehrkatzenhaushalten, Tierheim oder Tierpension, eher jährlich.
Wichtig zu wissen: Die Impfung verhindert nicht jede Ansteckung, denn es gibt viele Virusvarianten. Sie schützt aber zuverlässig vor schweren Verläufen. Lass dich in deiner Tierarztpraxis zum passenden Impfplan beraten, und bring beim Einzug einer neuen Katze den Impfpass mit.
Die Impfung verringert außerdem die Ausscheidung der Viren, verhindert aber nicht, dass eine Katze nach einer Herpes-Infektion lebenslang Trägerin bleibt. Trotzdem wird empfohlen, auch Katzen zu impfen, die schon einmal Katzenschnupfen hatten. Die Impfung gegen Chlamydien gehört nicht zu den Grundimpfungen, kann aber in Mehrkatzenhaushalten, Zuchten oder nach Chlamydien-Fällen sinnvoll sein. Mehr zum Impfplan steht im Ratgeber Katze impfen.
Chronischer Katzenschnupfen
Manche Katzen werden den Schnupfen nie ganz los. Die Nasenschleimhaut ist dauerhaft geschädigt, die Katze schnieft, schnarcht oder hat immer wieder Ausfluss. Auch Herpes-Ausbrüche bei Stress gehören dazu.
Typische Auslöser für Herpes-Rückfälle sind eine Behandlung mit Kortison, die Säugezeit und ein Umzug in eine neue Umgebung. Wenn du weißt, dass deine Katze Herpes-Trägerin ist, plane solche Situationen bewusst: Sag es der Praxis vor jeder Behandlung, gib ihr bei einem Umzug einen ruhigen Rückzugsraum und halte Routinen möglichst stabil.
Heilen lässt sich das nicht immer, aber gut begleiten. Ein ruhiger Alltag, regelmäßige Pflege der Nase und eine gute Zusammenarbeit mit der Tierarztpraxis helfen. Viele chronische Schnupfenkatzen führen trotzdem ein langes, zufriedenes Leben.
Häufige Fragen
Ist Katzenschnupfen heilbar?
Die akuten Beschwerden heilen mit Behandlung meist nach ein bis drei Wochen ab. Das Herpesvirus bleibt aber oft im Körper und kann bei Stress wieder ausbrechen. Manche Katzen behalten eine chronisch empfindliche Nase.
Brauchen Wohnungskatzen die Schnupfenimpfung?
Ja. Die Erreger können an Kleidung, Schuhen und Händen in die Wohnung gelangen. Außerdem kann jede Katze einmal in eine Tierpension, in die Klinik oder zu einer neuen Katze kommen. Die Impfung schützt vor schweren Verläufen.
Kann meine Katze trotz Impfung Katzenschnupfen bekommen?
Das ist möglich, weil es viele Virusvarianten gibt. Geimpfte Katzen erkranken aber meist deutlich leichter und erholen sich schneller. Ohne Impfung ist das Risiko für schwere Verläufe viel höher.
Wie lange ist eine Katze mit Katzenschnupfen ansteckend?
Während der akuten Erkrankung scheiden Katzen viele Erreger aus. Beim Calicivirus bleiben viele Katzen noch mindestens einen Monat nach der Genesung ansteckend, manche jahrelang. Herpes-Trägerinnen können bei Stress erneut Viren ausscheiden. Bei neuen Katzen im Haushalt besprichst du am besten mit der Praxis, wie du sie sicher zusammenführst.
Ist Katzenschnupfen für Menschen ansteckend?
Praktisch nein. Das Calicivirus der Katze steckt Menschen nicht an, und Ansteckungen mit Katzen-Chlamydien sind nur in sehr seltenen Einzelfällen beschrieben. Händewaschen nach dem Kontakt ist trotzdem sinnvoll, vor allem damit du die Erreger nicht zu anderen Katzen trägst.
Hilft L-Lysin gegen Katzenschnupfen?
Für L-Lysin gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis, die europäischen Katzenexperten empfehlen es nicht zur Vorbeugung von Herpes-Rückfällen. Wirksamer sind eine gute Behandlung beim Tierarzt, sorgfältige Pflege und möglichst wenig Stress.
Quellen
- Feline Herpesvirus Infection (Guideline), ABCD European Advisory Board on Cat Diseases
- Feline Calicivirus Infection (Guideline), ABCD European Advisory Board on Cat Diseases
- Chlamydia felis infection in cats (Fact Sheet 2024), ABCD European Advisory Board on Cat Diseases
Stand der Prüfung: November 2026
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Wenn du unsicher bist, ruf deine Tierarztpraxis an.