Milben bei der Katze: Ohrmilben, Herbstgrasmilben und Co. erkennen und behandeln
Gesundheit 6 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 4 Quellen
Kratzt sich deine Katze ständig an den Ohren, schüttelt den Kopf oder hat sie kleine orange Pünktchen zwischen den Zehen, stecken oft Milben dahinter. Die meisten Milben bei Katzen sind gut behandelbar, aber sehr ansteckend für andere Tiere im Haushalt. Welche Milbe es ist, kann nur die Tierarztpraxis sicher feststellen, und danach richtet sich die Behandlung.
Welche Milben bei Katzen vorkommen
Milben sind winzige Spinnentiere, viele davon mit freiem Auge kaum zu erkennen. Bei Katzen gibt es einige typische Arten, die sich an unterschiedlichen Stellen ansiedeln und unterschiedlich aussehen. Das macht die Unterscheidung für Laien schwierig.
Am häufigsten sind Ohrmilben, vor allem bei Kitten und Freigängern. Im Spätsommer und Herbst kommen Herbstgrasmilben dazu, die Katzen beim Streifzug durch Wiese und Garten aufsammeln.
- Ohrmilben: dunkelbraunes, krümeliges Ohrenschmalz, starker Juckreiz an den Ohren
- Herbstgrasmilben: winzige orange Punkte an Pfoten, Ohrrändern und Bauch
- Raubmilben (Cheyletiella): viele Schuppen am Rücken, die sich scheinbar bewegen
- Räudemilben (Kopfräude): sehr starker Juckreiz, Krusten an Kopf und Ohren, selten
- Haarbalgmilben (Demodex): kahle Stellen, bei Katzen selten
| Milbe | Typische Stelle und Zeichen | Ansteckend für andere Tiere? |
|---|---|---|
| Ohrmilben (Otodectes) | Gehörgang, dunkles krümeliges Sekret, Kopfschütteln | ja, auch für Hunde und Frettchen |
| Herbstgrasmilben (Larven) | Zehen, Ohrränder, Kopf, Bauch, orange-rote Pünktchen | nein, Ansteckung immer draußen im Gras |
| Raubmilben (Cheyletiella) | Rücken, viele Schuppen, Juckreiz mal stark, mal kaum | ja, sehr leicht, auch Menschen |
| Kopfräude (Notoedres) | Ohren, Kopf, Hals, starker Juckreiz, Krusten | ja, durch engen Kontakt |
| Demodex gatoi | starker Juckreiz, kahle Stellen, eher junge Katzen | ja |
| Demodex cati | meist unauffällig, gehört zur normalen Hautbesiedlung | nein |
Ohrmilben: das häufigste Milbenproblem
Ohrmilben leben auf der Haut im äußeren Gehörgang und verbringen ihr ganzes Leben auf dem Tier. Typisch ist ein dunkles, trockenes Sekret, das an Kaffeesatz erinnert. Die Katze kratzt sich an den Ohren, schüttelt oft den Kopf und hält manchmal ein Ohr schief.
Ohrmilben werden durch engen Kontakt übertragen, also beim gegenseitigen Putzen und Kuscheln. Hat eine Katze Ohrmilben, haben die anderen Tiere im Haushalt, auch Hunde und Frettchen, sie sehr wahrscheinlich auch. Unbehandelt kann sich der Gehörgang entzünden.
Vom Ei bis zur erwachsenen Milbe dauert es rund drei Wochen, und anders als Räudemilben können Ohrmilben einige Wochen in der Umgebung überleben. Deshalb wird die Behandlung je nach Mittel in Abständen wiederholt, und alle Tiere mit Kontakt werden mitbehandelt. Kitten sind häufiger betroffen als erwachsene Katzen, und Katzen insgesamt öfter als Hunde.
Herbstgrasmilben: die orangen Pünktchen im Herbst
Herbstgrasmilben sind eigentlich nur die Larven einer Milbe, die im Gras und Boden lebt. Von Juli bis Oktober warten sie in Wiesen und Gärten und krabbeln auf vorbeistreifende Tiere. Bei Katzen sitzen sie gern zwischen den Zehen, an den Ohrrändern, am Bauch und unter den Achseln.
Die Larven saugen einige Tage und fallen dann ab. Der Juckreiz kann aber stark sein, und manche Katzen kratzen sich wund. Von Katze zu Katze werden sie nicht übertragen, die Ansteckung passiert immer draußen.
Bei sehr empfindlichen Katzen kann der Juckreiz noch anhalten, wenn die Larven längst abgefallen sind. Wenn deine Freigängerin im Spätsommer immer wieder dieselben Stellen beknabbert, schau genau zwischen die Zehen: Die Larven sind nur rund 0,2 bis 0,3 Millimeter groß, als orange Pünktchen aber gut zu erkennen.
Raubmilben, Kopfräude und Demodex: seltener, aber hartnäckig
Raubmilben (Cheyletiella) leben auf der Hautoberfläche und verursachen viele Schuppen, vor allem entlang der Rückenlinie. Weil sich die Milben bewegen, sieht es aus, als würden die Schuppen wandern, daher der englische Name „walking dandruff“. Manche Katzen jucken sich stark, andere fast gar nicht.
Raubmilben breiten sich in Mehrkatzenhaushalten, Zuchten und Tierheimen leicht aus, junge und geschwächte Tiere sind anfälliger. Ihr Entwicklungszyklus dauert etwa drei Wochen, Weibchen überleben bis zu zehn Tage ohne Wirt in Decken und Teppichen. Die Behandlung dauert oft sechs bis acht Wochen, und die Wohnung muss mitgereinigt werden.
Die Kopfräude (Notoedres cati) beginnt typischerweise an Ohrrändern, Kopf und Hals mit starkem Juckreiz, Krusten und Haarausfall und kann sich auf den ganzen Körper ausbreiten. Sie wird durch Kontakt von Katze zu Katze übertragen und ist bei uns selten, aber sehr unangenehm.
Bei Demodex gibt es zwei Arten: Demodex cati lebt bei vielen Katzen unauffällig in der Haut und macht meist nur Probleme, wenn die Katze durch eine andere Krankheit geschwächt ist. Demodex gatoi ist dagegen ansteckend, findet sich eher bei jüngeren Katzen und juckt stark. Bei ausgedehntem Befall prüft die Praxis deshalb auch, ob eine Grunderkrankung wie Diabetes dahintersteckt.
Symptome: So zeigen sich Milben bei der Katze
Fast alle Milben verursachen Juckreiz. Wo sich die Katze kratzt und wie die Haut aussieht, gibt einen ersten Hinweis. Weil Pilzinfektionen, Flöhe und Allergien sehr ähnlich aussehen können, ist ein Blick unter das Mikroskop in der Praxis wichtig.
Mach am besten Fotos von den betroffenen Stellen und vom Ohrenschmalz. Notiere auch, ob andere Tiere im Haushalt sich kratzen und ob du selbst juckende Stiche hast.
- Kopfschütteln und Kratzen an den Ohren
- dunkles, krümeliges Sekret im Ohr
- orange Pünktchen zwischen den Zehen
- viele Schuppen auf dem Rücken
- Krusten, kahle Stellen oder wund gekratzte Haut
- unruhiges Verhalten, ständiges Putzen und Knabbern
Milben, Flöhe oder Pilz? So stellt die Praxis die Diagnose
Juckreiz, Schuppen und kahle Stellen sehen bei Milben, Katzenflöhen, Hautpilz und Allergien oft sehr ähnlich aus. Deshalb sucht die Tierärztin gezielt nach dem Erreger, statt auf Verdacht zu behandeln. Das geht meist schnell und tut der Katze nicht weh.
Bei Ohrmilben schaut sie mit dem Otoskop in den Gehörgang und untersucht etwas Ohrenschmalz unter dem Mikroskop. Für Hautmilben nimmt sie mit einem Klebestreifen oder einem Hautgeschabsel Material von der Hautoberfläche oder kämmt das Fell mit einem feinen Kamm aus. Bei Verdacht auf Hautpilz kommt eine Pilzkultur dazu.
Ist der Gehörgang bereits entzündet und eitrig, findet man die Milben oft gar nicht mehr. Was dann zu tun ist, steht im Ratgeber zur Ohrenentzündung bei Katzen.
| Situation | Einschätzung | Was du tust |
|---|---|---|
| Einzelne orange Pünktchen nach dem Freigang, Katze sonst munter | beobachten | Pfoten kontrollieren, bei anhaltendem Kratzen Termin ausmachen |
| Dunkles, krümeliges Ohrenschmalz, Kopfschütteln | bald zum Tierarzt | in den nächsten Tagen abklären lassen, andere Tiere im Blick behalten |
| Viele Schuppen am Rücken, auch du hast juckende Stiche | bald zum Tierarzt | Termin vereinbaren, Decken waschen |
| Kitten mit Juckreiz an Ohren oder Haut | bald zum Tierarzt | zeitnah vorstellen, Kitten haben wenig Reserven |
| Kopf schief, Gleichgewichtsprobleme, starker Geruch aus dem Ohr | noch heute anrufen | noch heute in die Praxis |
| Haut offen, nässend oder großflächig wund gekratzt | noch heute anrufen | noch heute in die Praxis |
Das kannst du tun: Behandlung von Milben
Die Tierarztpraxis untersucht Ohrenschmalz oder Hautproben und gibt dir ein passendes Mittel, das für Katzen zugelassen ist. Viele moderne Präparate werden einfach in den Nacken getropft und wirken gegen mehrere Parasiten. Bei Ohrmilben wird das Ohr oft zusätzlich gereinigt.
Bitte nicht auf eigene Faust mit Ölen, Essig oder Hundemitteln behandeln. Ätherische Öle wie Teebaumöl sind für Katzen giftig, und manche Mittel für Hunde enthalten Permethrin, das für Katzen lebensgefährlich ist. Wattestäbchen gehören nicht in den Gehörgang.
Plane die Behandlung wie ein kleines Projekt: Alle Tiere bekommen am selben Tag ihr Mittel, am gleichen Tag wäschst du Decken und saugst gründlich. Trag dir die Wiederholungstermine gleich in den Kalender ein. Wenn du die Katze mit Ohrmilben anfasst, sind Handschuhe sinnvoll, weil eine Übertragung auf Menschen zwar selten, aber möglich ist.
- alle Tiere im Haushalt mitbehandeln lassen, besonders bei Ohr- und Raubmilben
- Decken, Körbchen und Kissen bei mindestens 60 °C waschen
- Wohnung gründlich saugen
- die Behandlung so lange durchführen, wie die Praxis sagt, auch wenn es schon besser aussieht
- Kontrolltermin wahrnehmen
Sind Katzenmilben auf Menschen übertragbar?
Ohrmilben gehen kaum auf Menschen über. Raubmilben und Räudemilben können dagegen auch beim Menschen juckende rote Pünktchen machen, vor allem an Armen und Bauch, wo die Katze am Schoß liegt. Herbstgrasmilben holst du dir direkt im Garten, nicht von der Katze.
Auf Dauer überleben Katzenmilben auf menschlicher Haut nicht. Ist die Katze behandelt, verschwindet der Juckreiz bei dir meistens von selbst. Bei starken Beschwerden sprich mit deiner Hausärztin.
Kitten, Tierheimkatzen und Senioren: hier genauer hinschauen
Ohrmilben sind bei Kitten deutlich häufiger als bei erwachsenen Katzen, und Raubmilben fühlen sich dort wohl, wo viele Tiere eng zusammenleben. Holst du ein Kätzchen vom Bauernhof oder aus dem Tierheim, lass beim ersten Tierarztbesuch gleich Ohren und Fell kontrollieren. Bis dahin bleibt die Neue am besten in einem eigenen Zimmer.
Bei älteren oder chronisch kranken Katzen ist ein Milbenbefall manchmal ein Hinweis darauf, dass das Immunsystem gerade anderweitig beschäftigt ist. Breitet sich etwa Demodex großflächig aus, sucht die Praxis nach einer Grunderkrankung. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass für einen gründlichen Check.
Vorbeugen: So bleibt deine Katze milbenfrei
Ein Blick in die Ohren beim Kuscheln oder Bürsten reicht oft, um Ohrmilben früh zu entdecken. Ein gesundes Katzenohr ist innen hellrosa und sauber, mit höchstens etwas hellem Schmalz. Neue Katzen sollten vor dem ersten Kontakt mit deinen Tieren durchgecheckt werden.
Gegen Herbstgrasmilben hilft im Spätsommer ein kurzer Pfoten-Check nach dem Freigang. Manche Parasitenmittel aus der Praxis wirken gleichzeitig gegen Flöhe und Milben, frag beim nächsten Termin danach.
Häufige Fragen
Wie sieht Ohrenschmalz bei Ohrmilben aus?
Typisch ist ein dunkelbraunes bis schwarzes, trockenes und krümeliges Sekret, das an Kaffeesatz erinnert. Gesundes Ohrenschmalz ist hell und nur in kleiner Menge da. Bei dunklem Sekret immer abklären lassen, auch Pilze und Bakterien können ähnlich aussehen.
Können Hunde Ohrmilben von der Katze bekommen?
Ja, Ohrmilben werden zwischen Katzen, Hunden und Frettchen übertragen. Deshalb werden alle Tiere im Haushalt gleichzeitig behandelt, auch wenn nur eines Beschwerden hat.
Gehen Milben bei der Katze von alleine weg?
Herbstgrasmilben fallen nach einigen Tagen von selbst ab, der Juckreiz kann aber bleiben. Ohr-, Raub- und Räudemilben verschwinden nicht von allein und breiten sich weiter aus. Sie brauchen eine Behandlung.
Kann eine Wohnungskatze Milben bekommen?
Ja, über andere Tiere im Haushalt, eine neue Katze oder Kontakt beim Tierarzt oder in der Tierpension. Herbstgrasmilben sind bei Wohnungskatzen dagegen selten, außer sie dürfen auf einen begrünten Balkon.
Wie lange dauert die Behandlung von Milben bei der Katze?
Das hängt von der Milbe ab. Ohrmilben brauchen je nach Mittel eine oder mehrere Anwendungen im Abstand, weil die Milben etwa drei Wochen für ihre Entwicklung brauchen. Bei Raubmilben dauert es oft sechs bis acht Wochen, bis alle Milben verschwunden sind. Halte dich an die Termine der Praxis, auch wenn es früher besser aussieht.
Wie lange überleben Katzenmilben in der Wohnung?
Ohrmilben können einige Wochen in der Umgebung überleben, weibliche Raubmilben bis zu zehn Tage. Deshalb gehören Waschen der Decken bei mindestens 60 °C und gründliches Saugen zur Behandlung dazu. Räudemilben überleben ohne Wirt dagegen nur kurz.
Quellen
- Guideline 03: Control of Ectoparasites in Dogs and Cats, ESCCAP
- Spot-on-Produkte: Parasitenmittel für Hunde nicht bei Katzen anwenden (Mitteilung 035/2022), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
- Small Animal Toxins, Cornell University College of Veterinary Medicine
- Mite Infestation (Mange, Acariasis, Scabies) of Cats, MSD Veterinary Manual (Merck Veterinary Manual), Pet Owner Version
Stand der Prüfung: November 2026
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Wenn du unsicher bist, ruf deine Tierarztpraxis an.