Graue Katze: Woher die blaue Farbe kommt und welche Rassen grau sind
Katzenrassen 5 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 6 Quellen
Eine graue Katze ist genetisch eine aufgehellte schwarze Katze. Ein Verdünnungsgen sorgt dafür, dass die Farbpigmente im Haar verklumpen, dadurch wirkt das Fell grau statt schwarz. In der Katzenzucht heißt diese Farbe deshalb „Blau“. Typisch grau sind Rassen wie Kartäuser, Russisch Blau, Korat und die Britisch Kurzhaar, aber auch viele Hauskatzen.
Genetik: wie aus Schwarz Grau wird
Für die graue Farbe ist das sogenannte Dilution-Gen verantwortlich, also das Verdünnungsgen. Es ist rezessiv. Eine Katze wird nur dann grau, wenn sie die Anlage von beiden Elternteilen erbt. Zwei schwarze Katzen, die beide die Anlage verdeckt tragen, können so plötzlich ein graues Kitten bekommen.
Die Verdünnung wirkt auch auf andere Farben. Aus Rot wird Creme, aus Schildpatt wird Blau-Creme und aus Schokolade wird Lila (Lilac). Graue Katzen können außerdem gestromt, getigert oder mit Weiß gezeichnet sein, also etwa grau-weiß.
Genetisch steckt dahinter eine winzige Veränderung im Gen MLPH (Melanophilin): Ein einziger fehlender Baustein reicht, damit das Pigment nicht mehr gleichmäßig im Haar verteilt wird. Eine Krankheit ist damit nicht verbunden, die Datenbank OMIA führt die Verdünnung ausdrücklich als nicht krankheitsbezogen.
- Schwarz + Verdünnung = Blau (Grau)
- Rot + Verdünnung = Creme
- Schildpatt + Verdünnung = Blau-Creme
- Schokolade + Verdünnung = Lilac
Herkunft: graue Katzen in der Geschichte
Graue Katzen gibt es seit Jahrhunderten. Die Korat aus Thailand gilt dort als traditioneller Glücksbringer, die Russisch Blau soll von Hafenkatzen aus dem Raum Archangelsk abstammen. Blaue Katzen tauchen laut CFA schon im 16. Jahrhundert in der französischen Literatur auf, gezielt gezüchtet wird die Kartäuser in Frankreich seit den 1920er-Jahren. Die schöne Geschichte von Klosterkatzen der Kartäusermönche, die ein Schweigegelübde abgelegt hätten, hält die CFA für einen Mythos.
In der modernen Zucht wurden diese Rassen gezielt auf eine gleichmäßige, intensive Farbe gezüchtet. Bei Hauskatzen taucht Grau einfach dann auf, wenn die Gene passen.
Aussehen: die grauen Rassen im Überblick
Grau ist nicht gleich Grau. Je nach Rasse reicht die Farbe von hellem Taubengrau bis zu dunklem Schiefer, oft mit einem silbrigen Schimmer an den Haarspitzen. Graue Kitten haben manchmal eine leichte Tabby-Zeichnung, die sich mit dem Erwachsenwerden verliert.
Drei Rassen gibt es laut CFA überhaupt nur in Blau: Kartäuser, Russisch Blau und Korat. Bei der Britisch Kurzhaar ist Blau zwar die berühmteste Farbe, sie wird aber in vielen anderen Farben gezüchtet. Woran du die drei Reinblauen unterscheidest, zeigt die Tabelle.
- Britisch Kurzhaar: kompakt, rundes Gesicht, plüschiges Fell, kupferfarbene Augen
- Kartäuser: kräftig, blaugraues dichtes Fell, kupfer- bis orangefarbene Augen
- Russisch Blau: schlank, silbrig schimmerndes Doppelfell, grüne Augen
- Korat: zierlich, herzförmiges Gesicht, silberblaues Fell, grüne Augen
- Nebelung: halblanghaarige Variante, ähnlich der Russisch Blau
- Hauskatze: grau, grau getigert oder grau-weiß, in allen Augenfarben
| Rasse | Herkunft | Fell | Augen | Typ |
|---|---|---|---|---|
| Kartäuser | Frankreich | dicht, wollig, wasserabweisend, von Aschgrau bis Schiefer | kupfer bis gold, am liebsten tieforange | kräftig, breite Schultern, eher kurze Beine |
| Russisch Blau | Nordrussland (Archangelsk) | kurz, dicht, plüschig, silbern schimmernde Spitzen | leuchtend grün | schlank, graziös |
| Korat | Thailand | kurz, fein, glänzend, silberne Haarspitzen | leuchtend grün, in der Jugend gelblich | mittelgroß, muskulös, schwerer als gedacht |
Graue Kitten: Geisterstreifen und Augen, die sich verfärben
Wenn dein graues Kitten Streifen am Schwanz oder schwache Ringe an den Beinen hat, ist das kein Schönheitsfehler. Bei Kartäuser und Korat erlauben die Rassestandards der CFA solche Geisterzeichnungen ausdrücklich bei Jungtieren, bei der Kartäuser bis etwa zum zweiten Lebensjahr. Bei den meisten verblassen sie, bei Hauskatzen bleiben sie manchmal ein Leben lang.
Auch die Augen brauchen Geduld. Alle Kitten haben zuerst blaue Augen, danach färben sie sich um. Bei der Korat sind sie laut CFA in der Jugend oft gelb oder bernsteinfarben, das leuchtende Grün entwickelt sich erst mit zwei bis vier Jahren. Bei der Russisch Blau wird das Grün mit dem Alter meist intensiver.
Für dich heißt das: Wer bei einem acht Wochen alten Kitten schon die endgültige Augenfarbe sehen will, braucht eine Glaskugel. Ein seriöser Züchter kann dir aber anhand der Eltern sagen, wohin die Reise geht.
Charakter: ist Grau eine Persönlichkeit?
Die Fellfarbe allein bestimmt nicht den Charakter. Viele Halterinnen schwören aber, dass ihre grauen Katzen besonders sanft und ruhig sind. Das liegt eher an den Rassen: Britisch Kurzhaar und Kartäuser gelten als gelassen und anhänglich, Russisch Blau als zurückhaltend gegenüber Fremden, aber sehr treu.
Bei grauen Hauskatzen entscheiden Herkunft, Aufzucht und Erfahrungen über den Charakter. Lern die Katze also vor dem Einzug kennen, statt dich auf die Farbe zu verlassen.
Die Rasseprofile der CFA geben trotzdem ein paar Tendenzen her: Die Kartäuser gilt als ausgeglichen und anpassungsfähig, mit einer winzigen Stimme, die sie selten benutzt. Die Russisch Blau ist anfangs scheu, wird dann aber sehr anhänglich und mag ruhige Haushalte. Die Korat ist verspielt und intelligent und sieht sich gern als Oberhaupt der Familie, was neue Mitbewohner zu spüren bekommen.
Haltung und Pflege grauer Katzen
Die meisten grauen Rassen haben dichtes Kurzhaar mit viel Unterwolle. Einmal pro Woche bürsten genügt, im Fellwechsel im Frühling und Herbst öfter, sonst liegt bald eine graue Schicht auf dem Sofa. Graue Haare sieht man auf dunkler und heller Kleidung gleichermaßen gut, ein Fusselroller wird dein bester Freund.
Ansonsten brauchen graue Katzen dasselbe wie alle anderen: Kratzbaum, Spielzeit, sauberes Klo und gutes Futter. Gerade die gemütlichen Rassen neigen zu Übergewicht, also achte auf die Portionen.
Kartäuser haaren laut CFA im Frühling und Herbst stark, ihr dichtes, wolliges Fell braucht dann mehrmals pro Woche den Kamm. Russisch Blau und Kartäuser gelten außerdem als gute Esser. Wiege das Futter ab und plane tägliche Spielrunden ein, damit aus der eleganten Grauen keine runde Graue wird.
Gesundheit: Farbe ist kein Risiko
Die graue Farbe selbst ist gesundheitlich unproblematisch. Anders als bei weißen Katzen mit blauen Augen gibt es keinen Zusammenhang mit Taubheit. Wichtig sind die rassetypischen Erbkrankheiten der jeweiligen Rasse.
Bei der Britisch Kurzhaar ist das vor allem die Herzmuskelverdickung HCM und bei manchen Linien die Zystenniere PKD. Bei der Korat ist die seltene GM1-Gangliosidose beschrieben, eine schwere erbliche Speicherkrankheit des Nervensystems. Die verantwortliche Genveränderung ist bekannt, frag den Züchter also nach Testergebnissen.
Bei der Kartäuser kommt laut CFA gelegentlich eine erbliche Patellaluxation vor, die Kniescheibe springt dabei aus ihrer Führung. Hüpft deine Katze kurz auf drei Beinen oder zögert sie beim Springen, lass die Knie abtasten. Für die Russisch Blau sind keine rassetypischen Erbkrankheiten bekannt, der kleine Genpool ist aber ein Grund, bei der Zucht genau hinzuschauen.
Für wen ist eine graue Katze geeignet?
Für alle, die sich in diese elegante Farbe verliebt haben, und vor allem für Menschen, die eine ruhige Rassekatze wie Britisch Kurzhaar oder Kartäuser suchen. Wer eine verspieltere, zierlichere Katze sucht, schaut sich die Korat oder eine graue Hauskatze an.
Graue Hauskatzen findest du übrigens regelmäßig im Tierheim. Eine Rasse brauchst du für diese Farbe also nicht.
Häufige Fragen
Warum heißen graue Katzen blau?
In der Katzenzucht wird die verdünnte Form von Schwarz traditionell als Blau bezeichnet. Bei bestimmtem Licht hat das graue Fell tatsächlich einen leicht bläulichen Schimmer. Im Alltag sagt man einfach grau.
Welche Augenfarbe haben graue Katzen?
Das hängt von der Rasse ab. Britisch Kurzhaar und Kartäuser haben kupfer- bis orangefarbene Augen, Russisch Blau und Korat grüne. Graue Hauskatzen können gelbe, grüne oder bernsteinfarbene Augen haben, alle Kitten kommen mit blauen Augen zur Welt.
Woran erkenne ich, ob meine graue Katze eine Rassekatze ist?
Sicher nur am Stammbaum. Viele graue Katzen sind Hauskatzen oder Britisch Kurzhaar, auch wenn sie im Alltag oft Kartäuser genannt werden.
Können zwei schwarze Katzen graue Kitten bekommen?
Ja, wenn beide Eltern die rezessive Verdünnungsanlage verdeckt tragen. Dann kann ein Teil der Kitten grau werden. Umgekehrt bekommen zwei graue Katzen nur graue oder cremefarbene Kitten, aber keine schwarzen.
Wie heißt eine graue Katze mit grünen Augen?
Bei Rassekatzen sind das vor allem die Russisch Blau und die Korat, beide gibt es nur in Blau und mit grünen Augen. Graue Hauskatzen haben aber ebenfalls oft grüne oder gelbgrüne Augen. Ohne Stammbaum ist eine graue Katze mit grünen Augen einfach eine schöne Hauskatze.
Gibt es graue Katzen mit langem Fell?
Ja. Die Nebelung ist eine halblanghaarige blaue Rasse, und auch Britisch Langhaar, Perser, Maine Coon oder Norwegische Waldkatze gibt es in Blau. Bei Hauskatzen kommen graue Langhaarige ebenfalls vor.
Quellen
- Coat colour, dilution (MLPH) in Felis catus, OMIA, Sydney School of Veterinary Science (University of Sydney)
- Recognised breeds, Fédération Internationale Féline (FIFe)
- Chartreux (Rasseprofil), Cat Fanciers' Association (CFA)
- Russian Blue (Rasseprofil), Cat Fanciers' Association (CFA)
- Korat (Rasseprofil), Cat Fanciers' Association (CFA)
- Mutation analysis of GM1 gangliosidosis (J Feline Med Surg 2012), Uddin et al., PubMed Central
Stand der Prüfung: November 2026