Ragamuffin: die sanfte Riesin in allen Farben
Katzenrassen 5 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 6 Quellen
Die Ragamuffin ist eine große, schwere Halblanghaarkatze mit ausgesprochen sanftem Wesen. Sie ist eng mit der Ragdoll verwandt, kommt aber in fast allen Farben und Augenfarben vor. Sie passt hervorragend in die Wohnung, braucht aber Gesellschaft, regelmäßiges Bürsten und einen Züchter, der auf Herz und Nieren testet.
Herkunft: ein Ableger der Ragdoll
Die Ragamuffin entstand Anfang der 1990er-Jahre in den USA. Eine Gruppe von Ragdoll-Züchtern trennte sich vom Register der Ragdoll-Gründerin Ann Baker, weil ihnen deren Regeln zu eng waren, und züchtete eigenständig weiter. Laut GCCF kreuzten sie dabei gezielt Langhaar-Hauskatzen und später Perser ein, um Gesundheit und Wesen zu stärken, und ließen auch Farben ohne Point-Zeichnung zu.
Der Name, vorgeschlagen vom Züchter Curt Gehm, ist eine augenzwinkernde Verbeugung vor den Straßenkatzen unter ihren Vorfahren: Ragamuffin heißt so viel wie Straßenkind. Der US-Verband CFA registriert die Rasse seit 2003 und vergibt seit 2011 den Championstatus, in Großbritannien ist sie seit 2015 beim GCCF als Championrasse anerkannt.
Daher teilt die Ragamuffin viele Eigenschaften mit der Ragdoll, ist aber vielfältiger in Farbe und Fell. In Österreich und Deutschland ist sie deutlich seltener als die Ragdoll.
Ragamuffin Steckbrief: die wichtigsten Fakten
Die Eckdaten auf einen Blick, nach den Rassebeschreibungen von CFA und GCCF. Gewichte sind Richtwerte: Ragamuffins sind schwere Katzen, und Kater werden deutlich größer als Kätzinnen.
| Merkmal | Ragamuffin |
|---|---|
| Herkunft | USA, Anfang der 1990er-Jahre aus Ragdoll-Linien und Langhaar-Hauskatzen |
| Größe und Gewicht | mittelgroß bis groß, schwerer Knochenbau, Kätzinnen ca. 4,5 bis 7 kg, Kater deutlich schwerer, bis ca. 9 kg und mehr |
| Ausgewachsen | spät, mit ca. 4 Jahren |
| Fell | halblang, dicht, seidig und kaninchenfellartig, Halskrause, verfilzt wenig |
| Farben und Augen | fast alle Farben und Muster, mit oder ohne Weiß, Point nur für die Zucht, alle Augenfarben |
| Lebenserwartung | laut GCCF ca. 12 bis 16 Jahre |
| Charakter | sanft, verschmust, ausgeglichen, eher leise |
| Pflegeaufwand | gering: ein- bis zweimal pro Woche kämmen |
| Typische Gesundheitsthemen | keine rassespezifischen bekannt, Zuchttiere auf HCM und PKD untersuchen |
Aussehen: groß, rund und plüschig
Ragamuffins sind schwer und kräftig gebaut, mit rechteckigem Körper, breiter Brust und breiten Schultern. Der Kopf ist breit und rund, mit gepolsterten Schnurrhaarkissen und großen, walnussförmigen Augen, die ihr den typisch süßen Ausdruck geben. Kater können ca. 9 kg und mehr wiegen, Kätzinnen bleiben meist unter 7 kg. Sie reifen langsam und brauchen bis zu vier Jahre, bis sie ganz ausgewachsen sind.
Das halblange Fell ist dicht, weich und kaninchenfellartig, mit Halskrause und buschigem Schwanz. Erlaubt sind fast alle Farben und Muster, mit oder ohne Weiß, die Augen können grün, gold, aqua, blau oder verschiedenfarbig sein. Typisch ist außerdem ein weiches Fettpolster am Unterbauch, das zum Rassebild gehört.
- fast alle Farben, auch Tabby, Mink und Bicolour, Point-Tiere dürfen bei der CFA nicht ausgestellt werden
- breiter, runder Kopf mit gepolsterten Schnurrhaarkissen
- Fell verfilzt weniger als beim Perser
Charakter: Schoßkatze aus Überzeugung
Ragamuffins sind ruhig, geduldig und sehr verschmust. Viele lassen sich gern tragen, werden dabei ganz weich in den Armen und liegen stundenlang auf dem Schoß. Sie sind freundlich zu Kindern, Besuch und anderen Haustieren, eher leise und selten aufbrausend.
Langweilig sind sie trotzdem nicht. Viele apportieren, lernen kleine Tricks oder jagen dem Lichtpunkt hinterher, und manche gewöhnen sich sogar an Geschirr und Leine.
Diese Gutmütigkeit hat eine Kehrseite: Ragamuffins wehren sich kaum und sind deshalb im ungesicherten Freigang gefährdet. Auch zu Hause solltest du neue Tiere langsam und kontrolliert zusammenführen, damit eine forsche Zweitkatze oder ein Hund sie nicht unterbuttert. Allein langweilen sie sich schnell, eine zweite, ähnlich ruhige Katze macht vielen das Leben schöner.
Haltung und Pflege: Wohnung mit Platz zum Ausstrecken
Die Ragamuffin ist eine ideale Wohnungskatze, wenn sie Abwechslung bekommt. Ein gesicherter Balkon mit Netz gibt ihr frische Luft, ohne dass sie in Gefahr gerät. Weil sie groß ist, braucht sie stabile Kratzbäume mit großen Liegeflächen und ein großes Katzenklo.
Das Fell ist laut CFA und GCCF pflegeleicht, weil es kaum verfilzt: Ein- bis zweimal pro Woche mit einem langzinkigen Kamm durchgehen reicht, im Fellwechsel öfter. Baden ist normalerweise nicht nötig.
Weil Ragamuffins gern fressen und sich nicht übermäßig bewegen, ist Übergewicht ein echtes Thema. Lass dich vom Bauchpolster nicht täuschen: Ob deine Katze zu schwer ist, beurteilt der Tierarzt am besten über Rippen, Taille und Gewichtsverlauf. Futter abwiegen und täglich spielen hilft.
- stabile Möbel für schwere Katzen
- regelmäßige Spielrunden gegen Bequemlichkeit
- Kämmen ein- bis zweimal pro Woche, Achseln und Bauch nicht vergessen
- Chip und Registrierung in der Heimtierdatenbank sind sinnvoll, Pflicht sind sie in Österreich für Zuchtkatzen
Gesundheit: Herz und Nieren testen lassen
Laut CFA und GCCF hat die Ragamuffin keine bekannten rassespezifischen Erbkrankheiten und gilt als robust. Wie bei jeder Katze können aber zwei Erbkrankheiten vorkommen, die Züchter im Blick haben sollten. Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist eine Verdickung des Herzmuskels. Ob die Ragdoll-typische HCM-Mutation bei Ragamuffins verbreitet ist, ist kaum untersucht, viele Züchter testen wegen der gemeinsamen Herkunft trotzdem darauf. Wichtiger ist der regelmäßige Herzultraschall der Zuchttiere.
Die polyzystische Nierenerkrankung (PKD) lässt sich per Gentest ausschließen, beim GCCF wurden die importierten Zuchttiere negativ auf HCM und PKD getestet, und das gilt auch für künftige Importe. Achte bei sehr runden Gesichtern darauf, dass die Nase nicht zu kurz ist, damit Atmung und Tränenabfluss frei bleiben.
- Gentest PKD, auf Wunsch HCM-Test bei den Elterntieren
- Herzultraschall der Zuchttiere
- Übergewicht vermeiden, es belastet Gelenke und Herz
Ragamuffin kaufen: Verbände, Stammbaum und Gentests
Die Ragamuffin ist eine kleine, aber wachsende Rasse. Wichtig für Käufer in Österreich: Der große europäische Dachverband FIFe führt sie (Stand 2026) nicht in seiner Rasseliste. Seriöse Ragamuffin-Zuchten sind deshalb meist bei anderen Verbänden registriert, etwa nach den Regeln von CFA oder GCCF. Ein Stammbaum ist trotzdem Pflicht, sonst weißt du nicht, ob du wirklich eine Ragamuffin bekommst.
Nicht wundern, wenn im Stammbaum eine Selkirk Rex Langhaar auftaucht: Die CFA erlaubt sie als Auskreuzung für Kitten, die bis 31. Juli 2030 geboren werden. Danach müssen beide Eltern Ragamuffins sein.
In Österreich dürfen Tiere öffentlich, auch im Internet, nur bestimmte Anbieter anbieten, etwa Tierheime und gemeldete Züchter für selbst gezüchtete Tiere, Privatpersonen nur einzelne Katzen, die nicht bei ihnen bleiben können und älter als sechs Monate sind bzw. schon die bleibenden Eckzähne haben (§ 8a Tierschutzgesetz, Stand 2026). Auch der Kauf aus erkennbar unerlaubten Angeboten ist verboten. Eine Ragamuffin vom anonymen Inserat ist also kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.
- Stammbaum eines anerkannten Verbands
- Gentest PKD und Herzultraschall der Elterntiere, auf Wunsch HCM-Gentest
- Mutterkatze ansehen, Kitten im Haushalt aufgewachsen
- Impfpass, Chip und schriftlicher Kaufvertrag
Für wen ist die Ragamuffin geeignet?
Die Ragamuffin passt zu Familien, Paaren und ruhigen Menschen, die eine große, sanfte Kuschelkatze für die Wohnung suchen und gern bürsten. Auch Anfänger kommen mit ihr meist gut zurecht, weil sie unkompliziert im Umgang ist.
Laut CFA fühlt sie sich bei Familien mit Kindern genauso wohl wie bei Menschen, die allein leben. Wer allein lebt und viel außer Haus ist, plant aber besser gleich zwei Katzen ein, denn eine Ragamuffin, die den ganzen Tag niemanden zum Anlehnen hat, ist keine glückliche Ragamuffin.
Weniger geeignet ist sie, wenn du eine selbstständige Freigängerin suchst, viel unterwegs bist oder wenig Platz für große Kratzmöbel hast. Für Allergiker ist sie nicht geeignet.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Ragamuffin und Ragdoll?
Die Ragdoll hat immer blaue Augen und eine Point-Zeichnung, die Ragamuffin kommt in fast allen Farben und Augenfarben vor. Ragamuffins haben außerdem oft einen runderen Kopf. Im Wesen sind sich beide sehr ähnlich.
Wie groß wird eine Ragamuffin?
Kater können bis etwa 9 kg schwer werden, Kätzinnen bleiben deutlich leichter. Die volle Größe erreicht eine Ragamuffin erst mit etwa vier Jahren.
Kann eine Ragamuffin Freigang haben?
Grundsätzlich ja, aber sie ist sehr vertrauensselig und wehrt sich kaum. Ein gesicherter Garten oder ein vernetzter Balkon ist deshalb die bessere Lösung. Freigänger müssen in Österreich kastriert sein.
Wie alt wird eine Ragamuffin?
Der britische Zuchtverband GCCF nennt ca. 12 bis 16 Jahre. Gesunde Elterntiere, ein schlankes Gewicht und regelmäßige Vorsorge beim Tierarzt tragen viel dazu bei.
Warum hat meine Ragamuffin einen Hängebauch?
Ein weiches Fettpolster am Unterbauch gehört laut CFA-Standard zur Rasse und ist kein Zeichen von Übergewicht. Wird der Bauch aber rund und fest, sind die Rippen kaum noch zu ertasten oder steigt das Gewicht stetig, lass das beim Tierarzt abklären.
Kann man eine Ragamuffin an der Leine ausführen?
Viele Ragamuffins lassen sich an ein gut sitzendes Katzengeschirr gewöhnen. Übe zuerst in der Wohnung, dann im ruhigen Garten, und nie an lauten Straßen. Ein Ersatz für einen gesicherten Balkon ist das aber nicht.
Quellen
- RagaMuffin: Breed Overview, Cat Fanciers' Association (CFA)
- Myosin-binding protein C DNA variants in domestic cats (A31P, A74T, R820W) and their association with HCM, Journal of Veterinary Internal Medicine (Longeri et al. 2013)
- Registrierung von Zuchtkatzen: Heimtierdatenbank und Chippflicht, oesterreich.gv.at
- RagaMuffin, Governing Council of the Cat Fancy (GCCF)
- Breeds recognised by FIFe, Fédération Internationale Féline (FIFe)
- Tierschutzgesetz § 8a: Verbot des Feilbietens und Verkaufens von Tieren auf öffentlich zugänglichen Plätzen und im Internet, Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
Stand der Prüfung: November 2026