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Glückskatzen: Was hinter dreifarbigen Katzen und der Winkekatze steckt

Wissenswertes 4 Min. Lesezeit geprüft November 2026, 4 Quellen

Glückskatze: eine dreifarbige Katze sitzt neben einer Winkekatze am Fenster

Als Glückskatzen bezeichnet man im deutschsprachigen Raum vor allem dreifarbige Katzen mit Fell in Weiß, Schwarz und Rot oder Orange. Sie sollen Glück ins Haus bringen und sind fast immer weiblich, was an der Vererbung der Fellfarbe liegt. Daneben kennt man die japanische Winkekatze Maneki-neko, die in Geschäften Kundschaft und Wohlstand anlocken soll.

Was ist eine Glückskatze?

Eine Glückskatze ist keine eigene Rasse, sondern eine Fellzeichnung. Typisch sind größere Flecken in Weiß, Schwarz und Rot. Ist das Fell eher sanft getönt, also Weiß mit Grau und Creme, spricht man von einer verdünnten Variante. Gibt es keine oder kaum weiße Flächen und sind Schwarz und Rot fein vermischt, nennt man das Schildpatt oder Tortie.

Dreifarbige Katzen gibt es bei der ganz normalen Hauskatze und bei vielen Rassen, etwa bei Perser, Maine Coon, Britisch Kurzhaar oder Japanese Bobtail. Im Englischen heißt die Zeichnung calico, die Schildpatt-Variante tortoiseshell.

Glückskatze, Schildpatt und Co.: die Zeichnungen im Überblick
BezeichnungEnglischSo sieht sie aus
Glückskatzecalicoklare Flecken in Schwarz und Rot auf weißem Grund
Verdünnte Glückskatzedilute calicoFlecken in Grau (Blau) und Creme auf Weiß
Schildpatttortoiseshell, tortieSchwarz und Rot fein vermischt, kaum oder kein Weiß
Getigerte Glückskatze oder Schildpatttorbie, calico tabbyrote und schwarze Flächen tragen zusätzlich Tigerstreifen
Verdünnte Glückskatze mit grauen und cremefarbenen Flecken schläft auf dem Bett

Warum Glückskatzen fast immer weiblich sind

Das ist das Geheimnis, das man am Stammtisch gern weitererzählt. Das Gen für die Fellfarbe Rot (Orange) liegt auf dem X-Chromosom, in seiner roten oder nicht roten Variante. Weibliche Katzen haben zwei X-Chromosomen und können deshalb beide Farben gleichzeitig tragen. In jeder Körperzelle wird dabei zufällig eines der beiden X-Chromosomen stillgelegt. So entsteht das Flickenmuster.

Kater haben nur ein X-Chromosom und tragen normalerweise entweder Rot oder Schwarz, aber nicht beides. Die weißen Flecken kommen über ein anderes Gen dazu. Deshalb sind dreifarbige Katzen in aller Regel Kätzinnen.

Das Rot-Gen: 2025 endlich entschlüsselt

Dass Rot auf dem X-Chromosom vererbt wird, weiß man schon lange. Welches Gen genau dahintersteckt, war aber lange ein Rätsel. 2025 haben Forschende der Universität Kyushu in Japan eine Lösung veröffentlicht: Bei roten Katzen fehlt ein kleines Stück Erbgut in der Nähe des Gens ARHGAP36 auf dem X-Chromosom.

Das Stück, das bei roten Katzen fehlt, bremst normalerweise das Gen. Ohne Bremse ist es aktiver, und das verschiebt offenbar die Farbstoffproduktion vom dunklen zum rötlich-gelben Pigment. Wie das im Detail abläuft, ist noch nicht geklärt. Für deine Glückskatze heißt das: Ihre roten Flecken sind die Zellen, in denen das X-Chromosom mit der Rot-Variante aktiv ist, die schwarzen jene mit der anderen.

Dreifarbige Kater: die seltene Ausnahme

Ganz selten gibt es doch einen dreifarbigen Kater. Meistens steckt dahinter eine Besonderheit der Geschlechtschromosomen.

Wegen ihrer Seltenheit ranken sich um dreifarbige Kater besonders viele Geschichten. Wenn dir also jemand einen dreifarbigen Kater zeigt, darfst du ruhig staunen. Ein Lottoschein wird er dadurch aber nicht.

Das MSD Veterinary Manual beschreibt es nüchtern: Solche Kater tragen zwei X-Chromosomen und ein Y-Chromosom, und dieselbe Besonderheit macht sie unfruchtbar. Mit einem dreifarbigen Kater lässt sich also auch keine Glückskatzen-Zucht aufziehen, falls dir jemand so etwas als Besonderheit verkaufen will.

Glückskatzen im Volksglauben

Dass dreifarbige Katzen Glück bringen sollen, hat in vielen Ländern Tradition. Je nach Gegend erzählt man sich, eine Glückskatze schütze das Haus vor Unheil. Und in Japan wurde eine dreifarbige Katze sogar berühmt: Tama, die als Bahnhofsvorsteherin einer kleinen Bahnlinie zum Star wurde.

Natürlich ist das Aberglaube, aber ein sympathischer. Ganz ehrlich: Jede Katze, die abends schnurrend auf dem Sofa liegt, ist für ihre Menschen ohnehin eine Glückskatze.

Die Winkekatze Maneki-neko

Die winkende Katze kennt fast jeder aus asiatischen Restaurants und Geschäften. Ihr japanischer Name Maneki-neko bedeutet ungefähr lockende oder winkende Katze. Genau genommen winkt sie nicht zum Abschied, sondern ruft herbei, wörtlich ist sie die herbeiwinkende Katze.

Nach verbreiteter Deutung lockt eine erhobene linke Pfote Kundschaft an, eine erhobene rechte Pfote bringt Geld und Glück. Auch den Farben werden Bedeutungen zugeschrieben, die je nach Hersteller und Region schwanken. Die bekannteste Legende spielt am Tempel Gotoku-ji in Tokio: Eine weiße Katze soll in der frühen Edo-Zeit den Fürsten Ii Naotaka zu sich gewunken haben, kurz bevor ein Gewitter losbrach. Er blieb trocken, ließ den Tempel aus Dankbarkeit prachtvoll ausbauen, und später entstanden Figuren nach dem Vorbild der Katze.

  • linke Pfote oben: lockt Kundschaft und Menschen an
  • rechte Pfote oben: soll Geld und Glück bringen
  • beide Pfoten oben: beides zugleich
  • dreifarbig: häufige Variante, passend zur Glückskatze
  • andere Farben: Bedeutungen je nach Region verschieden

Haben Glückskatzen einen besonderen Charakter?

Viele Halterinnen schwören, dass dreifarbige Katzen und Schildpattkatzen besonders eigenwillig, temperamentvoll oder kess sind. Im Englischen gibt es dafür sogar ein eigenes Wort, tortitude. Ganz aus der Luft gegriffen ist das vielleicht nicht: In einer Online-Umfrage der Universität von Kalifornien in Davis mit rund 1.270 Halterinnen und Haltern wurden dreifarbige und Schildpattkatzen etwas häufiger als abwehrend gegenüber Menschen beschrieben, also eher fauchend, schlagend oder beißend. Die Forschenden haben die Katzen dabei aber nie selbst beobachtet, es sind nur Einschätzungen der Menschen. Der Charakter deiner Katze hängt weit stärker von Prägung als Kitten, Erfahrungen und Umgang ab als von ihrer Fellfarbe.

Wenn du dir eine Glückskatze holen möchtest, schau in Tierheimen und bei Tierschutzvereinen. Dort warten immer wieder dreifarbige Katzen auf ein Zuhause, und eine Tierheimkatze, die endlich angekommen ist, bringt ihr ganz eigenes Glück.

Schildpattkatze im Tierheim: auch Glückskatzen warten dort auf ein Zuhause

Häufige Fragen

Gibt es dreifarbige Kater?

Ja, aber nur sehr selten. Meist haben sie eine Chromosomenbesonderheit mit einem zusätzlichen X-Chromosom (XXY) und sind deshalb in der Regel unfruchtbar.

Ist eine Glückskatze eine eigene Rasse?

Nein, Glückskatze bezeichnet nur die dreifarbige Fellzeichnung. Sie kommt bei Hauskatzen und vielen verschiedenen Rassen vor.

Was ist der Unterschied zwischen Glückskatze und Schildpattkatze?

Beide tragen Rot und Schwarz im Fell. Bei der Glückskatze sind die Farben in klaren Flecken auf weißem Grund verteilt. Bei der Schildpattkatze sind Rot und Schwarz fein vermischt, mit wenig oder keinem Weiß.

Welche Pfote hebt die Winkekatze für Geld?

Nach der verbreiteten Deutung steht die erhobene rechte Pfote für Geld und Wohlstand, die linke für Kundschaft und Besuch. Es gibt aber regionale Unterschiede in der Auslegung.

Welche Kitten bekommt eine Glückskatze?

Das hängt vom Kater ab. Mit einem schwarzen Kater sind die Söhne meist rot oder schwarz, die Töchter schwarz oder wieder dreifarbig beziehungsweise Schildpatt. Weiße Flecken kommen über ein eigenes Gen dazu. Eine Glückskatze garantiert also keine Glückskatzen-Kitten.

Bringen Glückskatzen wirklich Glück?

Belegen lässt sich das natürlich nicht, es ist ein schöner Volksglaube. Sicher ist nur: Eine Katze, die sich bei dir wohlfühlt, macht den Alltag ein ganzes Stück fröhlicher. Und eine Tierheimkatze kann genauso ein Glücksfall sein wie eine dreifarbige.

Quellen

Stand der Prüfung: November 2026

Für Katzenleit mit Schmäh

Des, wos si dei Katz eh denkt. Als Leiberl, Hoodie oder Pulli.

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